Zuerst ging es für Niklas und mich mit dem Bus von Kigali nach Arusha. Geplant waren 24 Stunden, am Ende saßen wir jedoch ganze 48 Stunden im Bus. Wegen sogenannter technischer Probleme mussten wir unterwegs für eine Nacht anhalten.


Durch die lange Fahrt konnten wir in Arusha nur eine Nacht bleiben und somit nicht viel sehen. Viel gibt es dort aber ohnehin nicht zu entdecken. Die Stadt lebt hauptsächlich vom Tourismus, vor allem wegen der Safaris in die Serengeti und in den Ngorongoro-Nationalpark.
Weiter ging es nach Moshi, wo wir meinen Freund Matteo trafen. Er war extra aus Sri Lanka angereist, um uns auf der Kilimanjaro-Tour zu begleiten. Moshi selbst ist ebenfalls stark vom Tourismus geprägt. Gleichzeitig ist die Stadt jedoch deutlich ärmlicher und hat wenig Sehenswürdigkeiten.

Kurz darauf wurden wir von unseren Guides abgeholt und mit der nötigen Ausrüstung ausgestattet. Am Ende war es deutlich mehr, als wir ursprünglich erwartet hatten. Neben schweren Wanderschuhen brauchten wir Thermounterwäsche, Regenkleidung, eine Schneehose, eine dicke Jacke für extreme Kälte sowie eine Stirnlampe für die nächtlichen Aufstiege. Am nächsten Tag holte uns ein großer Bus ab. Wir hatten ein ganzes Team von zwölf Personen, das nur für uns da war. Dazu gehörten zwei sehr freundliche Guides namens Joeffrey und Arnold, ein Koch, ein Kellner und acht Porter. Die Träger transportierten unser gesamtes Gepäck wie Essen, Kleidung und Ausrüstung den Berg hinauf.




Unser Aufstieg begann auf 1.700 Metern Höhe. Am ersten Tag wanderten wir etwa sechs Stunden durch den Regenwald und erreichten schließlich das erste Camp auf 2.700 Metern. Dort übernachteten wir in überraschend komfortablen Hütten. Unser Koch bereitete ein leckeres Abendessen zu, und wir gingen früh schlafen. Am nächsten Morgen ging es bereits um sechs Uhr weiter.
Am zweiten Tag lagen weitere 1.000 Höhenmeter vor uns. Die Landschaft veränderte sich deutlich. Der dichte Regenwald wich einer offeneren, kargeren Umgebung. Auf 3.700 Metern bekam ich erste Kopfschmerzen. Das war ein typisches Anzeichen für Höhenkrankheit. Auch mein Appetit ließ nach. Unsere Guides bestanden jedoch darauf, dass wir weiter ausreichend essen sollten. Rückblickend war das sehr wichtig. Ab diesem Zeitpunkt erinnerten sie uns ständig daran, langsam zu gehen. Sie sagten immer wieder „Pole pole“. Das ist Suaheli und bedeutet „langsam, langsam“. So sollte unser Körper Zeit bekommen, sich an die Höhe zu gewöhnen. Normalerweise verbringen Wanderer auf dieser Höhe einen zusätzlichen Tag zur Akklimatisierung. Da wir jedoch nur die fünftägige Tour gebucht hatten, mussten wir direkt weiter. Die Nacht war für mich sehr unruhig, da ich wegen der Kopfschmerzen kaum schlafen konnte. Zum Glück waren sie am nächsten Morgen wieder verschwunden.




Am dritten Tag wurde es ernst. Früh am Morgen machten wir uns auf den Weg ins Basecamp auf 4.700 Metern. Die Wanderung dauerte acht Stunden und führte durch eine karge Landschaft, die wie eine Mondlandschaft wirkte. Wir befanden uns bereits über den Wolken. Gegen 15 Uhr bekamen wir ein spätes Mittagessen und durften danach zwei Stunden ausruhen. Am Abend gab es noch eine kleine Mahlzeit, auch wenn kaum jemand etwas essen konnte. Alle litten unter Kopfschmerzen und Übelkeit. Besonders Matteo ging es sehr schlecht. Die Höhe hatte ihm stark zugesetzt. Schon das Trinken fiel schwer, wenn man dabei nicht regelmäßig atmete. Selbst der Weg zur Toilette, die nur etwa 50 Meter entfernt war, wurde zu einer echten Herausforderung.
Nach dem Abendessen durften wir uns noch einmal kurz hinlegen. Um 23 Uhr begann dann der Aufstieg zum Gipfel. Es war bitterkalt, und wir trugen fünf Kleidungsschichten. Darüber zogen wir unsere dicke Bergsteigerjacke.
Der Aufstieg war unglaublich anstrengend. Die dünne Luft machte das Atmen schwer. Dazu kamen Bauchschmerzen und starke Erschöpfung. Schritt für Schritt kämpften wir uns nach oben. Nach sieben Stunden, genau um sieben Uhr morgens, erreichten wir schließlich den Uhuru Peak. Das ist der höchste Punkt Afrikas. Für einen Moment waren wir die höchsten Menschen des Kontinents. Es war ein unbeschreibliches Gefühl.
Am selben Tag mussten wir 2.000 Höhenmeter wieder absteigen. Am fünften und letzten Tag folgten noch einmal 2.000 Meter nach unten. Als wir endlich wieder im Tal ankamen, mit schmerzenden Knien und völlig erschöpft, waren wir einfach nur erleichtert. Gleichzeitig waren wir auch sehr stolz, dass wir diese Herausforderung gemeistert hatten.









